Einer Manufaktur

Dies ist der letzte Teil meiner Kurzgeschichte “Einer Manufaktur”, die ich vom 28.09.21 bis zum 13.10.21 auf Instagram veröffentlicht habe.

17/17

Wie sie tanzten! Mal etwas zu ruckhaft, mal fehlte oder verrutschte eine kleine Bewegung, aber ansonsten genau wie er es versucht hatte, nachzuzeichnen.

Ja, es war eine große Verwunderung darüber im Museum zu spüren.
Wem die Maske heruntergefallen war – oder wer sie heruntergeworfen hatte – wurde nie festgestellt, alle stritten ihre Schuld oder Verantwortung ab. Jedenfalls, deswegen war auch diese zweite Hypothese in die Welt geraten, war es in jenem Gang zum Sonderausstellungsraum passiert, in dem nichts ausgestellt wird und der deswegen über keine Kamera verfügte.
Mehr Verwirrung noch aber war darüber entstanden, wer denn eigentlich die Schaufensterpuppen, die inmitten des Stresses angekommen waren – installiert hatte und wer die Bestellung an diesen Sammler überhaupt aufgegeben hatte – hier taten sich verschiedene Meinungen auf, denn die Mail war von einer gemeinsam genutzten Mail-Adresse von einem ebenso gemeinsam genutzten Rechner aus versandt worden.

In den Zeitungen waren im Hintergrund der Fotos, mit denen sie das Spektakel bebilderten, stets auch die staunenden, teils erschrocken oder gar leichten Ekel nur mit Mühe unterdrückenden Gesichter hinter den Leibern zu sehen, die – an Fäden von beweglichen Schienen an der Decke hängend um die in allen sechs Farben der Fahnen schachbrettgemusterten Figur, die Maschine –, ihr Schauspiel aufführten. Es ist ein Ballett aus den 20er Jahren. Ein Junge deckt die Existenz einer unterirdischen Roboter-Fabrik auf, in der Ersatz-Menschen erschaffen werden, darunter auch sein Bruder, und führt diese – vor ihrer Gedächtnis-Programmierung – erfolgreich in die Freiheit an der Oberfläche, wo die auch teils noch unfertig verbauten Wesen einen bizarren Tanz aufführen. Mensch oder Robot, wer hat das getan? Hand von Fleisch oder Hand aus Metall, wem muss ich danken für meine Errettung?
Die wie sich herausstellte viel zu verkopfte und abstrakt gedachte Installation war durch die schrecklichen Puppen zum Leben erweckt worden.

Wirklich schön hatte das anscheinend zwar nur einer gefunden, aber nur auf diesen einen war es hier ja auch angekommen.
Dieser Spender jedenfalls, der in letzter Minute als Retter aus den Kulissen getreten war, hatte mit einem schönen Lächeln, das zu seinem Einstecktuch passte, das man kaum noch sah, vor allem hier im Museum, die wenigen erklärenden Worte gesprochen, der Chefin vor den Kameras den Check ausgestellt und war wieder verschwunden. Diese aber überspielte es gut. Man konnte wirklich meinen, wenn man sie so lächeln und reden hörte, es sei sie gewesen, die für die Rettung des Museums gesorgt hätte.
Wie schnell die Menschen doch lernen, wie geschickt sie sich doch anpassen können an Situationen, wie gekonnt sie fremden Ruhm annehmen können, wenn er ihnen in den Schoß fällt. Es sind diese Fähigkeiten, die Maschinen noch lange nicht beherrschen, da mögen sie noch so gut im Poker bluffen können.
Auch wer ihn eingeladen hatte, konnte nie ermittelt werden.